Über die Kunst des Pflanzenfärbens...

FärbenSabine Ringenberg hat mir viel über das Pflanzenfärben beigebracht und ist eine wirkliche Künstlerin auf ihrem Gebiet. Deshalb habe ich sie gebeten ein paar einführende Worte zum Thema Pflanzenfärben zu Papier zu bringen. Danke Sabine!

Das Färben mit Pflanzen ist eine Technik, die schon seit der frühen Eisenzeit angewendet wird. Anders als bei der Verwendung von Mineralfarbstoffen, die wesentlich früher in Höhlenmalerei und der Verzierung von Keramiken Verwendung finden, muss für die Färbung von Textilien ein wasserlöslicher Farbstoff vorliegen. Man kocht deshalb pflanzliches Material aus oder stellt eine Küppe mit vergorenem Urin her. Auch die Fermentierung von Pflanzen in Eisen- oder Kupfertöpfen ist ein altes Verfahren zur Färbung von Fasern.

Bevor der Farbstoff auf die Faser aufgebracht werden kann, muss allerdings gebeizt werden. Die Beize öffnet die Faser und macht sie so aufnahmefähig für die Farbstoffmoleküle,Färben denn anders als bei chemischen Färbeverfahren der Neuzeit, bei denen die Farbe wie ein Lack nur auf der Oberfläche der Fäden liegt, färbt die Pflanzenfarbe die Faser bis ins Innere.

Im Mittelalter wurden hauptsächlich drei Beizen verwendet, die auch heute noch angewendet werden: Alaun für rote und gelbe Farbstoffe, Eisensulfat für dunkelgrün, grau und oliv und Kupfersulfat für hellgrüne Töne.Außerdem gibt es eine Reihe von Farbstoffen, die hauptsächlich in Baumrinden enthalten sind, die ohne eine Beize aufziehen, da ihr hoher Anteil Tanin (Gerbsäure) wie eine Beize wirkt. Dieses Verfahren bezeichnet man als Direktfärbung.
Eine Ausnahme bildet der blaue Farbstoff, der in der Familie der Indigo-Pflanzen enthalten ist. Zu dieser Familie gehören über 50 Pflanzen weltweit. Die bekanntesten sind Indigo und Waid, der in ganz Nordeuropa beheimatet ist und dessen Zuchtform bis zur Neuzeit einen großen Wirtschaftsfaktor darstellte. Da Waid aber nur einen Bruchteil des Farbstoffanteils von Indigo bietet, brach der Handel mit Beginn des Imports von Indigo zusammen.Färben

Heute können viele traditionelle Färbepflanzen nicht mehr gesammelt werden, da sie unter Naturschutz stehen. Und auch bei angebauten Pflanzen aus Plantagen bleibt das Problem aller Naturprodukte: abhängig von Klima, Niederschlag und Bodenbeschaffenheit variieren die Qualitäten der Rohstoffe von Jahr zu Jahr.

Die Faszination der Pflanzenfarbe allerdings ist ungebrochen. Warme Farben mit hoher Leuchtkraft lassen sich schier endlos mit einander kombinieren und sind aufgrund der durchgefärbten Fasern extrem haltbar. Ein jährliches Bad in warmem Wasser mit einem Schuss Essig sorgt dafür, dass die Freude an der Farbe lange erhalten bleibt.