Es gibt eine Geschichte zu diesen Bildern! Eine schöne Geschichte, die mir zwei wunderbare Dinge beschert hat: Eines war die Möglichkeit Borten für ein ganz besonderes Projekt in Großbritannien zu machen. Und das zweite, aber nicht weniger wichtigere ist der Kontakt und die Freundschaft mit Deborah Simmons, der begabten Schneiderin, die die Kleider für die angelsächsische Prinzessin gemacht! Wer waren die Angel Sachsen? Die Kurz- fassung: nachdem die Römer ca. im 5. Jahrhundert Britannien verlassen haben, siedelte sich diese Volksgruppe in England an. Ein Teil, die Angeln, kamen aus Dänemark und Norddeutschland, die Sachsen kamen eben aus Sachsen (Deutschland). Diese Stämme mischten sich dann zu den Angelsachsen, die wiederum mischten sich mit den ansässigen Briten. Im 7. Jahrhundert haben die Angelsachsen dann große Teile von England besiedelt und uns ihre Spuren hinterlassen.
The Princess Pendant:
Die Ausgrabung wurden von Redcar Archäologe Stephen Sherlock geleitet und, zusammen mit Mitgliedern der Teesside Archäologischen Gesellschaft. Artefakte wurden geborgen, so atemberaubend schön, dass die Entscheidung getroffen wurde, eine Ausstellung, die die Funde entsprechend würdigt, in Angriff zu nehmen. Dem folgten dann mühsame Reinigungs- und Konservierungsarbeiten der wertvollen Artefakte und das Redcar & Cleveland Borough Council arrangiert die Ausstellung! Es wurde ein Film gedreht, der einen genaueren Einblick in das AngloSaxon Leben im 7. Jahrhundert zeigt und das Leben der Prinzessin zum Mittelpunkt hat.
Hier kommen jetzt die Simmons ins Spiel: Deborah wurde gebeten, die Kleider für das Begräbnis der Prinzessin zu nähen. Und sie suchte dann Jemanden, der für sie die gewünschten Borten anfertigt. Nach vielen eingereichten Arbeitsproben der in- und ausländischen Mitbewerber wurden dann meine Arbeiten ausgewählt! So ist es mir eine besondere Ehre ein kleiner Teil dieses Projektes zu sein und auch Aufträge für Deborah ausführen zu dürfen. Für die Prinzessin habe ich sämtliche Borten am Gewand und an den zwei Schleiern gewoben. Dazu einen aufwändigen Gürtel. Als Material für alle Borten wurde jeweils hochwertiges Leinengarn verwendet.
Auf dem Bild links sind die bortenbesetzten Schleier zu sehen. Genauere Informationen zur Ausstellung liefert das Buch "The Saxon Princess Exhibition Guidebook" von Stephen Sherlock, das hier erhältlich ist.
Alle Fotos in diesem Bericht sind freundlicherweise von Deborah und Mark Simmons zur Verfügung gestellt worden. Texte zu den Angelsachsen und der Ausgrabung wurden auf Grund der Angaben im Buch "The Saxon Princess Exhibition Guidebook" von Stephen Sherlock als Zusammenfassung von mir erstellt. Die Bilder aus dem Buch sind von Singe Vert photography and Media Arts.
UPDATE 23.8.2011: neue Bilder von Sonja beim Besuch des Kirkleatham Museums in England
Der erste schriftliche Hinweis auf diese Burg-Anlage stammt aus dem Jahre 570 und seitdem ist sie mit einer turbulenten Geschichte verbunden. Normannen, Angelsachsen und Wikinger haben unter anderem zu der bewegten Vergangenheit dieser Burg beigetragen. Für nähere Informationen siehe www.bamburghresearchproject.co.uk/
Durch Deborah Simmons bin ich auf die derzeit laufenden Ausgrabungen aufmerksam geworden und sie hat den Kontakt zu Graeme Young hergestellt, der derzeit das archäologische Forschungsprojekt leitet.
Besonders fasziniert hat mich unter den Fundbildern ein Artefakt, das vorläufig als "Textil Bearbeitungs-Werkzeug" bezeichnet wurde. Das hat mich natürlich sehr interessiert, zumal mich das Fundstück eher an eine Gürtelzunge (Gegenstück zur Gürtelschnalle) erinnert hat. So fing meine Suche nach einem passenden Gegenstück aus der Textilverarbeitung an. Ich hab mich dann auf internationaler Ebene mit anderen historischen Webern ausgetauscht. Aber auch da war niemandem ein entsprechendes Stück aus der Wollverarbeitung bekannt. So reifte in mir der Gedanke einen passenden Gürtel zu weben und mir einen talentierten Beinschnitzer zu suchen, der von dem Ausgrabungsfund eine Replik anfertigen kann.
Den habe ich dann in Carlo Wolf von www.Wollgeweih.de gefunden, der mir dann kunstfertig eine Gürtelzunge und eine passende Schnalle aus Knochen geschnitzt hat (die Gürtelschnalle wurde an der Ausgrabungsstelle nicht gefunden, aber von uns passend zur Gürtelzunge entworfen). Der Ausgrabungsleiter Graeme Young war von dem Endergebnis sehr begeistert und schrieb mir:
"Hi Sonja
That looks very impressive and is certainly the most practical looking use I have seen so far for the object.
Best wishes Graeme"
Bei Kanalarbeiten nahe der Römerstrasse und des Kastells Kreuznach im Jahre 1939 wurde das Grab des Fürsten von Planig entdeckt und geborgen. Es lag an der Kreuzung 2er wichtiger Römerhandelsrouten, der von Worms nach Bingen und der von Mainz nach Kreuznach. Leider weiss man auch heute noch sehr wenig über diesen Franken, sein Alter oder seine Todesursache, denn Knochen sind leider nicht erhalten geblieben. Dafür wurden aber außergewöhnlich prunkvolle Grabbeigaben geborgen, die teilweise auf weitreichende Handelsbeziehungen schließen lassen. Nicht zuletzt lässt dies auf eine hochgestellte Persönlichkeit schließen, sondern auch die mit römischen Schriftzeichen versehenen Sandsteinquader, die sein Grab bildeten.

2010 bekam der um 525 n. Chr. verstorbene Fürst ein rekonstruiertes Grab im neugebauten Teil des Mainzer Landesmuseums. Für dieses Projekt habe ich die goldbroschierte Seidenborte nach Fragmenten des originalen Goldbroschierfadens gearbeitet. Dazu kamen die weitere Bortenausstattung des Fürsten, bestehend auspflanzengefärbten Woll-Wadenwickel und den Strumpfhaltern aus Leinengarn.


Für das Pfahlbaumuseumin Unteruhldingen am Bodensee habe ich einen Brettchenbortengürtel angefertigt (Bild links entstand bei einem Besuch im Museum).